Das Turiner Grabtuch ist eine Fälschung!

Neue Studien beweisen: Das Tuch ist von Menschenhand gemacht!

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Vortrag in Wien, vom 4. Dezember 2009 >>>

 

 

Ein Report von

Walter Hain

 

20. Oktober 2009

   Am 6. Oktober 2009 lief eine Meldung durch die Medien, wonach ein italienischer Chemiker das Abbild auf dem 4,36 mal 1,10 Meter großen so genannte Grabtuch von Turin reproduziert hat. Nach eingehenden Forschungen ist es Luigi Garlaschelli (Professor für Chemie an der Universität von Pavia) gelungen ein Bild ziemlich ähnlich wie jenes auf dem Turiner Leinentuch herzustellen. Davon fertigte er auch Bilder an, die im Internet zu sehen sind.

    Schon vorher haben Wissenschaftler, Forscher und Sachbuchautoren versucht, das Bild auf dem Leinentuch nachzumachen. Es ist ihnen auch einigermaßen geglückt, wenn auch nicht in der Präzision wie auf dem Tuch in Turin. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts haben Paul Vignon und der Anatomieprofessor Yves Delage Versuche unternommen, die Authentizität des Tuches zu erklären, nachdem es erstmals 1898 durch Secondo Pia fotografiert werden konnte. In den 1940er Jahren haben R. Romanese und G. Judica-Cordaglia, Professor für forensische Medizin an der Universität in Mailand, Nachbildungen angefertigt. In den 1970ern S. Rodante und 1989 Baima Bollone. Im Jahr 1981 fertigte Joe Nickell eine Reproduktion an. Im Jahr 1994 erzeugten  die beiden Autoren Lynn Picknett und Clive Prince, für ihr Buch "Die Jesus-Fälschung", ein Gesichtsbild mit Hilfe einer "camera obscura", also einer einfachen Belichtungskamera. Sie wollten damit beweisen, dass Leonardo da Vinci als Urheber des Turiner Tuches in Frage kommen könnte.

    Das angebliche Grabtuch Jesu soll eine lange Geschichte haben. Erstmals soll es im 6. Jahrhundert erwähnt worden sein, als es König Abgar von Edessa an die Stadtmauer anbringen ließ, um die Feinde abzuhalten. Dann soll das Tuch über Konstantinopel um das Jahr 1204 und später, ab 1353, durch Geoffroy de Charny, ein Tempelritter, nach Lirey, Frankreich gebracht worden sein, wo es in der hiesigen Kirche 1357 ausgestellt wurde. Das wird durch ein Pilgermedaillon dokumentiert. Eine mögliche weitere Dokumentation könnte 1389 erfolgt sein, als sich der Bischof von Lirey, Pierre d´Arcis, in einem Brief an den Papst Clemens VII über ein angeblich "listig gemaltes" Grabtuch Christi beschwerte, dass die Pilger in die Irre führen würde. Es kann sich aufgrund des datierten Pilgermedaillons nur um das Turiner Tuch handeln, das zu dieser Zeit in der Kirche öffentlich ausgestellt wurde. Später, im Jahr 1578, ist das Tuch nachweislich nach Turin überstellt worden, wo es seither im Dom aufbewahrt wird.

 

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    Im Jahr 1978 machte ein Team von Experten eingehende Untersuchungen am Tuch in Turin. Sie nannten ihr Unternehmen Shroud of Turin Research Project, (STURP). Dabei entdeckte der Schweizer Kriminologe Dr. Max Frei angeblich eine Anzahl von Pollenspuren, die aus dem alten Palästina stammen sollen. Einige Mitglieder der Gruppe wollen Blutspuren auf dem Tuch festgestellt haben - und zwar der Blutgruppe AB. Viele Einzelheiten am Tuch, speziell am Abbild des Mannes der darauf abgebildet ist, wurden dokumentiert. Das Bild soll irgendwie "aufgehaucht", also nur schwach angebracht worden sein. Fotografische und andere Aufnahmen ließen eine Dreidimensionalität erkennen. Mit einem Bildanalysator wie seinerzeit für die Marsaufnahmen verwendet, hatten J. P Jackson und E. J. Jumper 3D-Bilder hergestellt. Im Jahr 1978 hat auch Prof. Giovanni Tamburelli vom CSELT (Centro Studi e Laboratori Telecomunicazione, Turin) 3D-Bilder vom Abbild am Turiner Tuch hergestellt.

 

Bild links: Das Antlitz am Turiner Tuch im Original.

 

 

    Im Jahr 1988 ließ der Vatikan erneut das Tuch von einem Expertenteam untersuchen. Dabei wurde dem Tuch ein 7 x 10 cm großes Stück von der linken unteren Ecke entnommen. Dieses wurde in Einzelteile zerlegt, die jeweils Institute in Zürich, Oxford und Arizona, mit weiteren bekannten Stoffproben zu einer chemischen "Blinduntersuchung" erhalten haben. Im August 1988 verkündete der Leiter der Untersuchung, Dr. Michael Tite, vom Britischen Museum, das Tuch stamme zu 95 Prozent aus der Zeit zwischen 1260 und 1390 nach Christus - also aus dem Mittelalter. Seither verstummen die Meldungen nicht, besonders von Befürwortern des Grabtuchs, dass diese Datierung falsch sein könnte. Die Stoffprobe stamme von einem "problematischen" Teil des Tuches, wo es oft schon angefasst wurde. Zumindest dadurch könnten die Stoffproben kontaminiert worden sein. Dr. Tite und sein Team streiten das ab, weil eine derartige Beeinflussung durch bloßes Anfassen die chemischen Analysen nicht beeinflusst hätte.

    Da ich mich schon seit vielen Jahren mit dem Turiner Leinentuch beschäftige, versuchte ich auch an diesem Objekt immer wieder die Wahrheit herauszufinden. Den wahren Ursprung zu finden. Den wahren Sachverhalt zu bestimmen. Über ein Objekt, das wie es aussieht seit zumindest 600 Jahren die Fachwelt irritiert.

    Zum einen ist es nicht richtig, dass auf dem Tuch Blutspuren festgestellt wurden. Walter McCrone hat 1978 eindeutig die Farbpigmente Ocker und Zinnober nachgewiesen, die auch im Mittelalter in der Malerei verwendet wurden. Alte Blutflecken auf einem Tuch müssten braun bis schwarz sein, jene Flecken auf dem Turiner Tuch sind hingegen gelb bis rot. Dass von den "Blutflecken" auf dem Tuch die Blutgruppe AB nachgewiesen werden konnte ist daher unrichtig. Auf der Grabtuch-Seite von wikipedia wird andererseits deutlich erklärt warum es im Altertum keine Blutgruppe AB geben konnte. Sie entstand erst später durch Vermischungen der Völker und ist eher im Mittelalter anzutreffen. McCrone hat seine Ansicht 1999 erneut bestätigt und wird schon lange von den Grabtuchbefürwortern angefeindet. Schon früher aber, im Jahr 1973, haben international anerkannt Serologen durch Überprüfung der angeblichen Blutspurabbildungen keinen Nachweis von Blut erbringen können.

    Die Webart des Tuches im Fischgrätmuster ist nicht besonders speziell. Sie "erlaubt uns nicht, die Zeitperiode, in der es hergestellt wurde, zu bestimmen", sagte bereits 1976 der Textilexperte Gilbert Raes, der dem Tuch 1973 ein Stück Stoff entnommen hatte. Fischgrätmuster sind auch aus dem Mittelalter bekannt.

 


Auch die angeblich dem Tuch entnommenen Pollenproben deuten nicht auf eine Herkunft aus dem alten Jerusalem hin. Es sollen Pollen aus verschiedenen Gegenden sein. Aus Jerusalem, aus dem Iran, aus Urfa (Edessa) aber auch aus der Sahara, Nordafrika und Frankreich. Im Jahr 1982 wies Steven Schafersman auf einer Konferenz von Forensik-Experten auf Inkonsistenzen innerhalb der von Dr. Frei gemachten Proben hin. Dies könne nur auf Verfälschungen der Proben zurückzuführen sein, weshalb der Nachweis des Tuches aus dem kleinasiatischen Raum nicht eindeutig erbracht wurde.

Bild links: Das Antlitz am Turiner Tuch und ein 3D-Relief davon.

 

    Die Entstehung durch eine Malerei, also ein durch Pinsel und Farben hergestelltes Bild wird von allen Experten weitgehend verneint. Es finden sich keine derartigen Spuren auf dem Tuch, weshalb es so rätselhaft ist, wie es zustande kam. Das Bild wirkt wie "aufgehaucht". Es scheint sich um einen Abdruck zu handeln. Deshalb werden auch supernaturale Effekte wie ein Lichtblitz oder eben einfach eine Fotografie als Erklärung herangezogen. Während erstere äußerst spekulativ ist und eher in den paranormalen Bereich fällt, wurde die zweitere Methode mehrmals zu Rekonstruktionszwecken angewendet.

    Der Kunsthistoriker Nicholas Allen machte bereits 1989 einen derartigen Versuch mit einer so genannten "camera obscura". Ähnliches machten 1994 auch die beiden Autoren Picknett und Prince. Beide konnten auf feinen Tüchern, nach mehreren Stunden Belichtung, Bilder erzeugen, die eine entfernte Ähnlichkeit mit dem Tuch in Turin haben. Das lässt auch schließen, dass ein cleverer Fotograf im Mittelalter für die Entstehung des Bildes am Turiner Tuch in Frage kommen könnte. Im Gespräch ist natürlich sofort Leonardo da Vinci. Ihm traut man die nötigen Kenntnisse zu, zumal er auch ein ausgezeichneter Künstler und Techniker und sogar Pathologe war. Er kannte sich mit Maschinen und auch mit menschlichen Körpern aus. Das Problem dabei ist nur, dass Leonardo von 1452 bis 1519 lebte - 62 Jahre nach 1390, der naheliegendsten Datierung von 1988. tatsächlich spricht das nicht gegen Leonardo, da ja 1988 nur das Tuch und nicht das Bild darauf datiert wurde. Dennoch kommen Zweifel auf, weil es das Pilgermedaillon von 1357 gibt, das zur Ausstellung des Turiner Grabtuchs in Lirey angefertigt worden ist, und damals hat Leonardo eindeutig noch nicht gelebt. Auch der Brief von Pierre d´Arcis an den Papst im Jahre 1389 kommt Leonardo nicht entgegen.

    Dass dieses Amulett sehr wichtig sein könnte, beweist das Abbild darauf. Es ist eindeutig eine Art Grabtuch zu sehen wie jenes in Turin - ausgestreckt mit zwei Körperhälften vorne und hinten. Zudem ist am Rücken ein gewundenes Gebilde zu sehen, das den "Blutspuren" am Rücken des Mannes auf dem Turiner Tuch entsprechen könnte. Leonardo da Vince kommt also als Urheber des Turiner Tuches nicht in Frage. Er hätte auch, entsprechend der Größe des Tuches,  eine riesige Kamera von 4 bis 5 Metern anfertigen müssen. Eine stunden- bis tagelange Belichtungszeit wäre ebenfalls nötig gewesen um eine Statue - oder wie manche meinen Leonardos Antlitz selbst - in dem Tuch zu verewigen. Da das bei Sonnenlicht stattfinden hätte müssen, wären auch die Lichtverhältnisse ständig anders gewesen. Ein derartiges Werk wäre auch kaum geheim geblieben.

    Einige, wie der Psychiater und Sindonologe Alan Whanger, wollen auf den Augen des Mannes auf dem Tuch römische Münzen entdeckt haben. Es soll z.B. der Schriftzug UCAI und ein "Lituus", ein Krummstab, in einem Auge zu sehen sein. Das soll ein Teil des griechischen Namens für Tiberius Caesar (Kaiser Tiberius), TIBERIOU CAICAROS sein. Das soll auf die Zeit 29 n. Chr. hinweisen. Damals sind derartige Münzen in Umlauf gewesen.  Bei einfacher starker Vergrößerung der Stelle am Tuch kann man jedoch nichts derartiges entdecken. A. Whanger hat das mit polarisierendem Licht entdeckt und damit veränderte Formen des Gewebes ausgemacht. Ein Beweis für die Authentizität des Turiner Tuches ist das nicht.

    Andere Forscher, André Marion und Anne-Laure Courage, meinten 1997 Schriftzeichen in der Nähe des Kopfes des Mannes auf dem Tuch entdeckt zu haben. Es soll sich um die Buchstaben HΣOY, der Genitiv von Jesus mit fehlendem ersten Buchstaben, oder um ΝΝΑΖΑΡΕΝΝΟΣ (nnazarennos, "Nazarener" falsch geschrieben) handeln. Auch dieses ist bei einfacher starker Vergrößerung des Leinens nicht zu erkennen. Es handelt sich auch hier um Verfälschungen bei bestimmten fotografischen Veränderungen.


    Die Nachbildungen des Tuches haben gezeigt, dass das Abbild irgendwie künstlerisch zustande gekommen sein muss. Jacques di Constanzo, vom Marseiller Universitätshospital, hat im Jahr 2005 eine Skulptur oder sogar einen menschlichen Kadaver als Grundlage des Turiner Tuchs vorgeschlagen. Es könnte aber auch ein so genanntes "Basrelief" oder "Flachrelief", ein in der Kunst seit mindestens 2300 Jahren weit verbreitetes Kunstwerk an Tempeln und anderen Gebäuden, in Frage kommen. Tatsächlich zeigen die 3D-Bilder von den fotografischen Aufnahmen des Turiner Tuches die Charakteristik eines Flachreliefs. Selbst mit einfachen grafischen Computerprogrammen kann man solche Ergebnisse erzielen. Auch die 1978 von der Gruppe STURP mit Hilfe des NASA-Bildanalysators zeigen diese Eigenschaft.

    Tatsächlich kann ein kompletter Körper als Grundlage für das Bild auf dem Tuch nicht in Frage kommen, weil dann das Bild völlig verzerrt sein müsste. Ein Tuch, das am Körper weitgehend komplett aufliegt, würde nach der Abnahme und einer anschließenden Streckung ein verzerrtes Bild ergeben. Das haben auch einige Forscher bei entsprechenden Versuchen festgestellt. Das Bild, die gesamte Gestalt am Turiner Tuch, ist aber einzigartig gleichmäßig und symmetrisch abgebildet. Es ist eine streng vertikal ausgerichtete, statische Erscheinung. Auch das Gesicht selbst ist einzigartig symmetrisch. Es kann nicht von einem Abdruck eines menschlichen Körpers stammen. Ein einfach über den Kopf gelegtes Tuch würde nicht derartige Details zeigen, wie auf dem Turiner Tuch. Es würden Zwischenräume entstehen, die die darunter liegenden Körperteile am Tuch nicht sichtbar machen würden.

    Folgt man der Bibel, dann hat Joseph von Arimathäa den Körper von Jesus vom Kreuz genommen und anschließend sofort in ein Leinentuch gehüllt. Er "kaufte eine Leinwand, nahm ihn (Jesus) herab und hüllte ihn in die Leinwand, legte ihn in ein in den Felsen gehauenes Grab..." Mk. 15, 46. Ebenso bei Matth. 27, 59-60: "...Joseph nahm den Leichnam , hüllte ihn in reine Leinwand und legte ihn in sein neues Grab..." Bei Lukas heißt es: "...hüllte ihn in Leinwand und legte ihn in ein ausgehauenes Grab..." 23, 53. Bei Johannes steht: "...Sie nahmen nun den Leichnam Jesu und banden ihn samt Spezereien mit Leinenbinden, wie es bei den Juden Begräbnissitte ist.." Und anschließend heißt es bei Johannes (19, 40-41), dass "an dem Ort, wo er gekreuzigt war" ein "neues Grab" war wo Jesus bestattet  worden ist.

    So gesehen müsste der Leichnam Jesu voll von kaltem Schweiß und kaltem Blut und entsprechend feucht gewesen sein als Joseph ihn in das Leinentuch hüllte. Wäre das Turiner Tuch dieses Leinentuch, müsste es völlig anders aussehen und es wäre kaum etwas darauf zu erkennen. Johannes spricht von Leinenbinden, die offenbar um das Tuch gewickelt wurden, dieses also dadurch am Körper völlig angelegen wäre. Johannes spricht außerdem als einziger von einem "Schweißtuch, das auf seinem Kopf gewesen war" (20, 7). Danach ist das Leinentuch, wie es offenbar damals Begräbnissitte war, über den ganzen Körper gelegt worden. Dadurch kann sich aber der Kopf Jesu nicht auf dem Leinentuch abgebildet haben.

    Manche meinen dass der "Schleier von Manoppello" dieses Schweißtuch, das sudarium auf dem Antlitz Jesu war. Er wird seit 1638 in der Kapuzinerkirche von Manoppello aufbewahrt. Das Gesicht soll eine Ähnlichkeit mit jenen auf dem Turiner Tuch haben, doch zeigt es eher ein etwas heiteres und sicher gemaltes Bild, weshalb viele ernsthafte Theologen und Forscher davon ausgehen, dass es sich eher um ein Abbild und nicht um einen Abdruck handelt.

    Ähnliches gilt auch für das Santo Sudario von Oviedo, das in der Kathedrale San Salvador, in Oviedo, in Spanien aufbewahrt wird und als Schweißtuch Jesu angesehen wird. Es zeigt jedoch kein Antlitz, nur angeblich blutverschmierte Flecken. Nach einer  Radiokarbondatierung stammt es aus dem Jahr 614 n. Chr.



Zusammenfassend kann das Turiner Leinentuch eindeutig nicht das Grabtuch Jesu sein. Es spricht eigentlich alles dagegen . Es stellt sich nur die Frage, wer dann dieses Bild auf dem Tuch angefertigt hat und wie. Und da ergibt sich nur die Lösung mit der Grundlage eines Flachreliefs oder auch Basreliefs. Es ist äußerst unwahrscheinlich, ja sogar unmöglich, dass ein Künstler im Mittelalter - oder auch früher - , ein Negativbild malen konnte, das erst Jahrhundert später durch eine fotografische Aufnahme durch Umkehrung der Hell-Dunkelwerte (also auf dem fotografischen Negativ) als plastisches Bild, wie bei einer Malerei erscheint. Dieser Effekt entsteht nur bei einem Abdruck eines leicht erhabenen Bildes. Und weil die Gestalt am Turiner Tuch völlig verzerrungsfrei abgebildet ist, kann der Abdruck nur von einem Flachrelief stammen. Das Relief wurde mit Künstlerfarbe bestrichen und das Tuch anschließend ordentlich und sorgfältig aufgedrückt. Die Menschen, die das Bild dann sehen, müssen ja den Eindruck eines Abdrucks bekommen. Eine einfache Malerei wäre sofort als Schwindel erkannt worden.

 

Bild links: Ein Negativ von einem Basrelief entspricht dem Bild auf dem Turiner Tuch im Original (oben). Eine Fotografie davon ergibt im Negativ ein Bild wie auf dem Basrelief.

 

    Offenbar waren die Farben aber noch recht frisch, als Bischof d´Arcis 1389 dieses Tuch als "listige Malerei" angesehen hatte. Schon sein Vorgänger, Bischof Henri de Poitiers, erkannte dreißig Jahre zuvor in dem Tuch eine Malerei und ließ Nachforschungen anstellen und entdeckte angeblich sogar den Fälscher, dessen Name jedoch nirgends dokumentiert worden ist. Das muss um das Jahr 1359 gewesen sein, als das Pilgeramulett in Umlauf war. Damals haben auch andere wie Geoffroy de Charnys Sohn Geoffroy II. und dessen Tochter Margaret de Charny das Tuch lediglich als "Bildnis" angesehen. Aufgrund der Beschwerde von Bischof d´Arcis legte Papst Clemens VII. im Jahr 1392 fest, dass das Tuch keine Reliquie sei und nur als Bildnis anzusehen ist. Auch heute noch wird das Tuch vom Vatikan nur als Ikone verehrt, die das Leiden Jesu dokumentiert.

    Über das Herstellungsjahr bleiben noch Fragen offen, weil es zumindest einen Hinweis geben soll, dass das Tuch mit dem Abbild schon um 1192 und 1195 existiert haben könnte, was gegen die Datierung 1260 bis 1390 sprechen würde. Immerhin gibt es einen Unterschied von zumindest 65 Jahren. In einem alten Manuskript, dem "Codex Pray", findet sich eine Darstellung der Salbung Jesu, wonach dieser in einem Grabtuch liegen soll, das verblüffende Details zum Turiner Tuch zeigen soll. Es sollen genau die zweimal vier Löcher in L-Form zu erkennen sein, wie auf dem Tuch in Turin. Diese können von heißem Wachs verursacht worden sein. Auch die Körperhaltung soll jener auf dem Turiner Tuch entsprechen. Wenn Bischof Henri de Poitiers um das Jahr 1359 einen Fälscher entlarvt hat, dann würde das nicht mit der Datierung des Codex übereinstimmen, sehr wohl aber mit der Datierung von 1988.

    Tatsächlich zeigt das Bild auf dem Codex unten nicht das Grabtuch, sondern das Grab mit geöffnetem Deckel. Es ist die Auferstehungsszene. Die "Löcher" sind unregelmäßig angeordnet und sie sind auch auf den Gestalten zu sehen. Auch Joseph von Arimathäa hat vier Finger wie Jesus am Turiner Tuch. Der Codex Pray ist also kein Beweis für eine frühere Existenz des Turiner Tuches.


    Ältere Abbildungen des Antlitzes von Jesus, die jenem auf dem Turiner Tuch entsprechen sollen, können auch dahingehend  interpretiert werden, dass jenes in Turin, entsprechend der Entwicklung der Ikonografie, nach diesen Vorbildern entstanden ist.

    Alles in allem gibt es als plausibelste Erklärung der Entstehung des Abbildes auf dem Turiner Tuch nur jene die ein Basrelief zugrunde hat. Die Basrelieftechnik gibt es in der Kunst mindestens seit 2300 Jahren und sie war oft sehr ausgereift. Wahrscheinlich musste der Hersteller gar kein Relief selbst anfertigen. Wahrscheinlich war irgendwo eines vorhanden, das er einfach nur für seine Zwecke benutzte. Auch auf Särgen und Kirchenmauern gab und gibt es solche Reliefs. Bekanntlich sind Fälscher zwar recht raffiniert, doch sie geben sich wenig Mühe in der Herstellung. So wurden zahllose Holzteile und Nägel vom Kreuz Jesu in Umlauf gebracht und wahrscheinlich auch mehrere Grabtücher und Schweißtücher.

    Luigi Garlaschelli sagt: "In der Praxis wird ein Leinentuch über einen Feiwilligen gelegt. Dann wird dieser mit einem Pigment eingerieben, Das Bild wird dann freihändig fertiggestellt. Das Gesicht allerdings muss von einem Basrelief gemacht werden, um die unumgängliche Verzerrung bei einer Umwicklung zu vermeiden. Wir haben gezeigt, dass Pigmente Spuren von säureähnlichen Verbindungen enthalten, die künstlich gealtert werden können. Nach dem Aufreiben der Pigmente, dem Erhitzen in einem Ofen, und anschließendem auswaschen, haben wir solchermaßen ein Bild erhalten, dass die erwarteten Merkmale des Turiner Leinentuchs hat."

    Schon 1982 hat der Anthropologe Vittorio Pesce Delfino mit einem Flachrelief aus Bronze und anschließender Erhitzung auf 230 Grad Celsius, ein sehr genaues Antlitz wie auf dem Turiner Tuch hergestellt. Er hat damit bewiesen, dass ein Flachrelief als Grundlage für das Antlitz am Turiner Tuch in Frage kommen kann. Allerdings wurde dieses nicht erhitzt, sondern bemalt. Auch das restliche Bild scheint mit Hilfe eines Flachreliefs oder ganz einfach per Hand gemacht worden zu sein, weil die anatomischen Proportionen des Körpes nicht stimmen - wie einige schon festgestelllt haben (History Channel, 2005). Das Bild auf dem Turiner Grabtuch ist ein künstlerisches Werk, vielleicht hergestellt mittels Flachrelieftechnik und Auftragung von Farbpigmenten.


    Die genannten Effekte lassen sich aber sehr leicht auch mit einem gemalten Bild auf einem Tuch herstellen, wie die obige Abbildung zeigt. Es ist kein Relief als Grundlage erforderlich. Auch mit einer Negativmalerei (entsprechend einer Basreliefmalerei) kann man ein 3D-Relief und ein Negativbild erzeugen, wie von dem Abbild auf dem Turiner Tuch.

    Die Negativbilder von den Fotografien von 1898 und 1931 vom Turiner Tuch sind eigentlich Trugbilder, so wie auch alle Negativbilder von Fotografien Trugbilder sind, weil diese nicht dem tatsächlichen Bild entsprechen. Dadurch kann auch ein pseudoskopischer Effekt entstehen, wo die Hell-Dunkel-Bereiche von den Augen des Betrachter optisch vertauscht werden und solche Bilder manchmal lebendiger erscheinen als das Original.

   Es gibt noch einiges zu klären. Zum Beispiel wie der Fälscher wissen konnte, dass die Nägel durch die Handwurzeln und nicht durch die Handflächen der Gekreuzigten geschlagen wurden. Das ist eine moderne Erkenntnis und wurde erst viel später durch Knochenfunde belegt. Aber auch dazu gibt es einfache Erklärungen. Wenn ein Nagel in die Handfläche eingeschlagen wird, dann kann er mitunter am Handrücken nahe der Handwurzel austreten. Dieses Detail am Turiner Tuch kann aber auch nur zufällig dem entsprechen. Andererseits würde das gerade gegen die Echtheit sprechen, wie Josef Dirnbeck meint, weil sonst sämtliche Künstler dieses Detail dargestellt hätten, wenn das Tuch bereits im 5. Jahrhundert als ganzes Abbild bekannt war. Doch das Gegenteil ist der Fall. Sämtliche "Mandylion-Bilder" aus dieser Zeit und auch später zeigen lediglich ein kleines Tuch, nur mit einem Kopfbild von Jesus.

    Es kann jedenfalls, nach diesen Ausführungen und vielen anderen Details, die hier aus Platzgründen nicht näher beschrieben werden können, mit Sicherheit gesagt werden, dass das Turiner Tuch eindeutig NICHT das Grabtuch Jesu ist!

Quellen:

Bulst, Werner: Betrug am Turiner Grabtuch, 1990.

Dirnbeck, Josef: Jesus und das Tuch, 1998.

Hain, Walter: Sein Reich war nicht von dieser Welt, 1997.

Joe, Nickell: Inquest on the Shroud of Turin, 1983.

Kersten, Holger; Gruber, Elmar R.: Das Jesus-Komplott, 1992.

McCrone, Walter: Shroud Image Is the Work of an Artist, The Sceptical Inquirer, Spring 1982.

Müller, M. Marvin: The Shroud of Turin: A critical Appraisal, The Sceptical Inquirer, Spring 1982.

Picknett, Lynn; Prince, Clive: Die Jesus-Fälschung, 1994.

Schiatti, Lamberto: Die Sindon: Publikation des Centro Internazionale di Sindonologia, Turin, 1978.

Siliato, Maria: Und das Grabtuch ist doch echt, 1998.

 

Im Internet:

 

Turin Shroud confirmed as a fake, June 2005.

http://www.physorg.com/news4652.html

Das Turiner Grabtuch.

http://de.wikipedia.org/wiki/Turiner_Grabtuch

The Shroud of Turin: McCrone Research Institute.

http://www.mcri.org/home/section/63-64/the-shroud-of-turin

The Latest Shroud Update: Walter McCrone, 24. October 1999.

http://mcri.org/home/section/63-64-293/the-latest-shroud-update

Chemiker stellt eigenes "Grabtuch von Turin" her, 5. Oktober 2009.

http://www.krone.at/krone/S15/object_id__164607/hxcms/index.html

Grabtuch Christi durch alte Technologie reproduziert, 6. Oktober 2009.

http://hpd.de/node/7903

Grabtuch von Turin eine mittelalterliche Fälschung, 5. Oktober 2009.

http://derstandard.at/fs/1254310608991/Grabtuch-von-Turin-eine-mittelalterliche-Faelschung

La Sindone riprodotta in grandezza naturale: Garlaschelli la presenta al Covegno del CICAP, 5.10.09.

http://www.massimopolidoro.com/news/la-sindone-riprodotta-in-grandezza-naturale-al-convegno-del-cicap.html

Shroud reproduction by Luigi Garlaschelli

http://luigi.garlaschelli.googlepages.com/shroudreproduction

Geise, Gernot L.: Das Turiner Grabtuch eine gut gelungene "Fälschung", in EFODON-SYNESIS, Nr. 15, 1996

http://www.efodon.de/html/archiv/geschichte/geise/turinglg.htm

Video: Decoding The Past - Unraveling The Shroud, History Channel, 2005.

http://www.guba.com/watch/3000095478

Video: Das Geheimnis des Turiner Grabtuchs, National Geographic Int., NDR, 2002.

http://video.google.at/videoplay?docid=-1781674561705764487&ei=8MjiSq6ALaW-2gL25oSGCg&q=turiner+grabtuch&hl=de#

La Sindone di Torino - Il Codice Pray

http://sindone.weebly.com/pray.html

NEU!

Turiner Grabtuch - Talk im Hangar-7 - Servus TV, 29.04.10

http://www.servustv.com/

Video nicht mehr verfügbar!

 

 

 

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