Jesus und der Da Vinci Code

Ein Report von Walter Hain

 

Gibt es in Leonardo da Vincis "Abendmahl" eine versteckte Botschaft über die wahre Identität von Jesus Christus?

Wird dies von kirchlichen Kreisen oder von der Glaubensgemeinschaft "Opus Dei" vertuscht und unterdrückt?

Hüteten die Tempelritter ein furchtbares Geheimnis über die tatsächliche Herkunft Jesu Christi?

Hatte Jesus gar Kinder gezeugt und gibt es heute noch Nachkommen von ihm?

Der Roman "The Da Vinci Code" von Dan Brown und der daraus entstandene Film "The Da Vinci Code - Sakrileg" wirft provokante Fragen auf.

Im Roman von Dan Brown und im Film wird behauptet der Jünger rechts neben Jesus im Gemälde "Abendmahl" von Leonardo da Vinci sei in Wirklichkeit eine Frau - genau Maria Magdalena.

Maria Magdalena war jene Frau aus Magdala, die von Jesus bekehrt wurde. Er hatte in ihr laut Lukas und Markus "sieben Dämonen" (Luk. 8,2; Mark. 16,9) ausgetrieben. Danach folgt sie Jesus bis zu seinem Tod als Jüngerin. Sie stand unter dem Kreuz gemeinsam mit der Mutter Jesu und der Mutter von Josef, die ebenfalls den Namen Maria trugen.

In dem Gemälde sei durch den Raum zwischen dem Jünger und Jesus ein "V" versteckt, dass das Symbol für das Weibliche sein soll, so wie umgekehrt als Spitze den aufgerichteten Phallus, das Männliche symbolisieren soll. Ein versteckter Hinweis auf Maria Magdalena?

Apokryphe Texte - also jene Texte, die nicht in die Bibel aufgenommen wurden-, sollen beweisen, dass Jesus eine intime Beziehung mit Maria Magdalena hatte. Es wird von einem "Kuss" zwischen ihr und Jesus berichtet.

Aus dieser Beziehung sollen Nachkommen von Jesus hervorgegangen sein, die noch heute leben sollen. Zumindest das Geschlecht der Merowinger soll aus diesen Nachkommen hervorgegangen sein.

Daraus würde resultieren, dass Jesus ein ganz gewöhnlicher sterblicher Mensch war und kein Sohn Gottes.

Von der katholischen Kirche und der Glaubensgemeinschaft "Opus Dei" soll dieses Geheimnis streng gehütet werden.

Angeblich soll es einen "Heiligen Gral" geben, der als Beweis gilt. Im Film "The Da Vinci Code" und auch im Roman weist eine kleine Schatulle, die ein Kryptex enthält, das wie ein Zahlenschloss funktioniert bei richtiger Eingabe des Codes, auf den Heiligen Gral hin.

Diesen "Heiligen Gral" sollen angeblich die Tempelritter von Jerusalem nach Europa gebracht und streng gehütet haben.

Soweit die Geschichte im "Da Vinci Code".


Was wissen wir über Jesus?

Sein Wirken begann - abgesehen von einem Auftreten im Tempel von Jerusalem mit 12 Jahren - erst im Alter von etwa 30 Jahren. Schon ein Jahr später wurde er unter Herodes Antipas, dem "Vierfürsten" (Matthäus 14,1), der von 4 v. Chr. bis 39 n. Chr. in Galiläa regierte, als Pontius Pilatus Statthalter von Judäa war (Lukas 3,1), zwischen 26 und 36 n. Chr., hingerichtet. Das muss also etwa  im Jahr 31 n. Chr. gewesen sei.

Gibt es hierfür historische Beweise?

Der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus (um 37 bis 97 n. Chr.) erwähnt einen "Jesus, der Messias genannt wurde". Der römische Geschichtsschreiber Tacitus ((50 bis 116 n. Chr.) berichtet über die Zeit 14 bis 96 n. Chr. und erwähnt einen "Christus", der "zur Zeit des Kaisers Tiberius durch den Prokurator Pontius Pilatus zum Tode verurteilt wurde". Ein römischer Zeitgenosse namens Sueton (75 bis 150 n. Chr.) erwähnt in seinen Aufzeichnungen, dass zur Zeit des Kaisers Claudius (41 bis 54 n. Chr.) die Juden wegen einem "Chrestus" viel Lärm machten.

Die Schriftrollen vom Toten Meer enthalten Aufzeichnungen von 100 v. Chr. bis 70 n. Chr. Sie erwähnen nichts von einem Jesus. Die Lehren der Essener ähneln jedoch stark den Lehren Jesu.

Das älteste biblische Dokument im Neuen Testament ist der Galaterbrief der im Jahr 54 n. Chr. vom Apostel Paulus verfasst wurde. Paulus wurde im Jahr 10 n. Chr. geboren und starb im Jahr 60 n. Chr. Das älteste Evangelium ist das des Markus; es soll noch vor dem Jahr 70 n. Chr. verfasst worden sein. Das Evangelium des Matthäus wurde nach dem Jahr 70 n. Chr. niedergeschrieben; das des Lukas ebenfalls zu dieser Zeit. Das jüngste Evangelium stammt von Johannes aus dem Jahr 90 n. Chr.

Wenn Jesus im Jahr 31 n. Chr. hingerichtet wurde, dann könnte zumindest Paulus Augenzeuge gewesen sein. Die Evangelisten haben sich lange Zeit gelassen, die Ereignisse aufzuzeichnen.


Die Behauptungen im Da Vinci Code

Im "Da Vinci Code" wird behauptet, in dem Gemälde "Abendmahl" von Leonardo da Vinci sei eine versteckte Botschaft über die wahre Identität von Maria Magdalena enthalten. Das Gemälde wurde von Leonardo in der Zeit von 1495 bis 1497 angefertigt. In Auftrag gegeben wurde es vom Mailänder Herzog Ludovico il Moro. Es befindet sich in der Dominikanerkirche Santa Maria delle Grazie in Mailand und es ist wegen seiner schlechten Qualität mehrmals restauriert worden. Es hat eine Größe von 9,04 mal 4,22 m und zeigt eigentlich Jesus mit den zwölf Aposteln zur Zeit der letzten gemeinsamen Zusammenkunft, wo Jesus sagt: "Einer von euch wird mich verraten!". In diesem Sinne wurden die Figuren von Leonardo da Vinci entsprechend angeordnet. Zur Rechten Jesu soll Johannes sitzen, der sich ungewöhnlich weit von Jesus abwendet. Der Zwischenraum wird im "Da Vinci Code" als ein "V" angesehen - das Symbol für das Weibliche, wie umgekehrt als Spitze dieses Symbol das Männliche darstellen soll. Dies soll ein Hinweis auf Maria Magdalena sein. Tatsächlich zeigt Johannes sehr weibliche Züge, weshalb behauptet wird, es sei eigentlich Maria Magdalena.

Das Abendmahl von Leonardo da Vinci.

Nimmt man andere Gemälde von Leonardo zur Hand, dann zeigt sich, dass die "Felsgrottenmadonna" eine frappante Ähnlichkeit mit der Gestalt des angeblichen Johannes im "Abendmahl" hat. Sie scheint sogar die gleiche Körperhaltung zu haben. Der abgesenkte Blick, der Mittelscheitel, das lange gewellte Haar ist beiden gemeinsam. Ein Umhang bedeckt den Körper, der bei beiden durch eine Brosche an der Brust zusammengehalten wird. Bei beiden ist die linke Schulter eigentümlich gerade in einer Linie ausgeführt. Die "Felsgrottenmadonna" entstand ungefähr zehn Jahre vor dem "Abendmahl" in der Zeit von 1483 bis 1485.

Die Felsgrottenmadonna.

Johannes und die Madonna.

Was hat es aber nun mit dem "V" auf sich? Leonardo muss sich dabei etwas gedacht haben, denn kein Künstler - noch dazu vom Rang eines Leonardo Da Vinci - würde bei einer derartigen Darstellung einer Personengruppe so einen großen Zwischenraum belassen, der dann bloß den Hintergrund zeigt. Man denke nur an die "Nachtwache" von Rembrandt. Die zwölf Apostel bei Leonardo sind in Dreiergruppen angeordnet, doch stets werden die Zwischenräume künstlerisch genützt - nicht so zwischen Jesus und Johannes.

Im "Da Vinci Code" wird eine Verbindung zur Rosslyn-Kapelle, in Edinburgh, in Schottland hergestellt. Sie wurde in den Jahren 1446 bis 1484 von William Sinclair nach dem Grundriss des herodianischen Tempels von Jerusalem errichtet. Der mit dem Erbauer der Kapelle verwandte William Saint Clair of Roslin wurde 1736 zum Großmeister der Großloge der Freimaurer von Schottland, weshalb am Gebäude der Kapelle freimaurerische Symbole zu finden sind. Noch heute werden dort Souvenirs mit dem Freimaurersymbol Zirkel und Winkel verkauft. Auch Leonardo da Vinci schreibt man eine Mitgliedschaft dieser Bewegung zu. Mit seiner Kenntnis der Mathematik und der Geometrie und auch sonst als außergewöhnlicher Gelehrter seiner Zeit wäre das nicht ungewöhnlich. Die Fertigstellung der Kapelle von Rosslyn fand 13 Jahre vor der Fertigstellung des "Abendmahls" statt.

Die Freimaurer sind eine Gemeinschaft aus Gelehrten aber auch einfacheren Menschen unterschiedlicher Bildung die sich unter anderem zum Ziel setzt, die ethischen und geistigen Werte zu vervollkommnen. Sie gründet sich aus den mittelalterlichen Steinmetzen, was aus dem Namen, dem "freien Maurern" hervorgeht. Am 28. April 1738 erließ Papst Clemens XII. den Bannfluch gegen die Freimaurer, weil diese Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtung aufnehmen. Durch ihre wissenschaftlichen Kenntnisse wurden die Freimaurer von der Kirche angefeindet. Sie hielten also ihr Wissen im Verborgenen. Berühmte Freimaurer waren z.B. Johann Wolfgang von Goethe (1749 bis 1832), Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827) und Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791). Auch die amerikanischen Präsidenten George Washington (1732 bis 1799) und Theodore Roosevelt (1858 bis 1919) gehörten den Freimaurern an. Die Freiheitstatue in New York wurde von Freimaurern entworfen.

Sieht man sich das "Abendmahl" von Leonardo da Vinci an, dann erinnert der v-förmige Raum zwischen Jesus und Johannes an den Winkel im Symbol der Freimaurer. Der Zirkel weist auf die beiden Personen hin. Kann das aber ein Hinweis auf Maria Magdalena sein?

Das Abendmahl und das Freimaurersymbol.

In den Aufzeichnungen der "Prieure´des Sion", die angeblich auf Bérenger Sauniére (im "Da Vinci Code" Jacques Sauniére) zurückgehen, der von 1896 bis 1917 Pfarrer in Rennes-le-Château war, ist ein Vers zu finden, der im "Da Vinci Code" zitiert wird und der auf einen Winkel und einen Kelch hinweist, die in der Rosslyn-Kapelle ein Grab hüten sollen.

Unter Alt-Roslin der Gral verharrt.

Winkel und Kelch das Grab bewahrt.

Kritiker des "Da Vinci Codes" sind überzeugt, dass die Person rechts neben Jesus zweifelsfrei Johannes ist, der stets - auch von anderen Künstlern - mit langem Haar und jugendlich dargestellt wird. So auch in einem Fresko von Domenico Ghirlandaio aus dem Jahr 1480, dass ebenfalls das Abendmahl darstellt. Dort sitzt Johannes links neben Jesus, der ihn liebevoll an sich zieht. Auch in dieser Darstellung finden sich keine übertriebenen Leerräume zwischen den Personen. Auf beiden Kunstwerken ist auch kein Kelch abgebildet. Dieser gehört nach Ansicht der Theologen nicht  zum Abendmahl, sondern zur  Kreuzigungsszene.

Fresko von Domenico Ghirlandaio.

Im "Da Vinci Code" wird auch angedeutet, dass es Nachfahren von Jesus unter den Merowingern geben soll. Die Merowinger sind das älteste Geschlecht der Franken, das von 461 bis 751 n. Chr. herrschte. Sie behaupteten von sich selbst, dass sie die Nachfahren von Jesus seien. Die Anfänge gründen sich aus legendenhaften Überlieferungen. Ein Meeresungeheuer soll in Gestalt eines Stieres die im Meer badende Gattin des Königs Chlodoi geschwängert haben, woraus ein Sohn namens Merowich hervorging, von dem der Name Merowinger abgeleitet ist. Die Merowinger traten nur zu besonderen Anlässen in der Öffentlichkeit auf. Sie benützten dazu einen Ochsenwagen und sie trugen lange Haare.

Das Geheimnis um Jesus und Maria Magdalena soll auch eine Glaubensgemeinschaft namens "Prieuré de Sion" gehütet haben. Der Name kommt aus dem Französischen und bedeutet "Kloster" ("prieure´") und "Sion", entsprechend dem jüdischen Berg Zion. Es soll eine Bruderschaft gewesen sein, die sich aus einem esoterischen Geheimbund zusammensetzte. Von 1100 bis 1627 gab es tatsächlich ein Kloster namens "Prieuré de Sion" in Orleón, in Frankreich, wo Mönche besonders die Maria Magdalena als "unsere Frau von Zion" verehrten. Das Kloster hat jedoch nichts mit dem Geheimbund zu tun. Der Geheimbund "Prieuré de Sion" (von Zion, dem Tempelberg in Jerusalem) soll sich erst nach der Auflösung des Ordens der Tempelritter im Jahr 1307 formiert haben. Darunter sollen sich ehemalige Tempelritter und auch Angehörige des französischen Adels befunden haben - und angeblich auch Leonardo da Vinci, Isaac Newton, Victor Hugo und Claude Debussy - und sogar Nostradamus.

Die ganze Geschichte um einen Geheimbund, der das Geheimnis um Jesus und Maria Magdalena bewahrt haben soll, wurde erst 1956 ins Leben gerufen als der Franzose Pierre Plantard (1920 bis 2000) am 7. Mai 1956 einen Verein gleichen namens gründete. Der Verein bestand nur ein Jahr lang und war kirchenfeindlich ausgerichtet und stellte auch eine Verschwörungstheorie auf. Bereits im Jahr 1953 wurde Plantard wegen Betrugs und Unterschlagung verurteilt. Kurz darauf begann er die Verschwörungstheorie zu entwickeln und fälschte dabei auch Urkunden und Dokumente. Darin wird auch das Geheimnis um die Abstammung der Merowinger von Jesus mit einbezogen. Plantard entwarf für sich selbst eine adelige Herkunft und legte sich den Namen "de Saint-Clair" zu. Im Jahr 1989 wurde Plantard wegen gewisser Umstände polizeilich verhört und sagte dabei unter Eid aus, dass es die "Prieuré de Sion" nicht gebe und er selbst alles erfunden habe.

Von den Tempelrittern nimmt man schon lange an, dass sie Geheimnisse um Jesus gehütet haben: so auch über die biblische Bundeslade und den heiligen Gral. Beides soll sogar in ihrem Besitz gewesen sein. Angeblich sollen sie auch von dem Geheimnis um Jesus und Maria Magdalena Bescheid gewusst haben. Der Templerorden wurde etwa 1118 bis 1120 gegründet und setzte sich aus edlen Rittern zusammen, die die Heiligtümer in Jerusalem schützen sollten. Ihr Wappen ist ein rotes Kreuz (später ein Tatzenkreuz) auf weißem Grund. Der Name leitet sich vom salomonischen Tempel in Jerusalem ab, wo auch die Bundeslade lange Zeit aufbewahrt war. Nach dem ersten Kreuzzug im Jahr 1099 kam es zu einem großen Pilgerstrom in die heiligen Stätten, was auch zu Unruhen und Plünderungen führte. Das sollten die Tempelritter verhindern. Deshalb wurden sie lange Zeit vom Klerus anerkannt und unterstützt. Im Konzil von Troyes im Jahr 1129 wurde den Tempelrittern auch offiziell kirchliche Unterstützung zugesagt. Durch Intrigen des französischen Königs Philipp VI. beim damaligen Papst Klemens V., der aus Frankreich stammt, wurden die Tempelritter aber später aufgrund ihres inzwischen beträchtlichen Vermögens an Gütern und Ländereien und ihres großen Einflusses auf das Land, verfolgt und viele davon hingerichtet. Offiziell starb der letzte Tempelritter, Jacques de Molay, im Jahr 1314 in Paris auf einem Scheiterhaufen. Einige sollen aber überlebt und auch Nachkommen gezeugt haben. Einige flohen nach Schottland, weshalb sich an der Kapelle von Rosslyn Symbole der Tempelritter wieder finden.

Die im "Da Vinci Code" erwähnte Bruderschaft "Opus Dei", mit Hauptsitz in Rom, ist eigentlich eine konservative Organisation innerhalb der römisch-katholischen Kirche. Sie wurde erst 1928 von dem spanischen Priester Josemaria Escrivá gegründet, der 1992 durch Papst  Johannes II. selig und zehn Jahre später heilig gesprochen wurde. In kirchlichen Kreisen wurde das aber kritisiert. "Opus Dei" hat sich zur Aufgabe gemacht, Laien durch religiöse Bildung und seelsorgerische Hilfestellung zu einem frommen Leben zu führen. Um die Schmerzen Jesu am Kreuz nachzuempfinden sollen die Mitglieder der Bruderschaft eine Art Selbstkasteiung durch einen Strick mit Knoten und einen "Bußgürtel" praktizieren, solange bis das Blut fließt. In der Öffentlichkeit wird das aber nicht so extrem dargestellt. Nach den Dokumenten der "Prieuré´ de Sion" soll diese Bruderschaft auch das Geheimnis um Jesus und Maria und den Heiligen Gral kennen und hüten.

Vom Heiligen Gral nimmt man allgemein an, dass es sich um ein wertvolles Gefäß oder eine Schale handelt, die besonders verehrt wurde, weil darin das Blut Christi am Kreuz aufgefangen wurde. Die Spekulationen gehen jedoch hin bis zu einem komplizierten technischen Gerät von Außerirdischen. Im "Da Vinci Code" ist der Schlüssel zum Gral in einer kleinen Schatulle verborgen, in welcher sich ein Kryptex befindet, ähnlich einem Fahrradschloss, dass bei der Eingabe des richten Codes ein Dokument freigibt, das zum Heiligen Gral führt. Bundeslade und Heiliger Gral sind bis heute nicht gefunden worden.

Vermutlich wurde die Bundeslade bereits während der völligen Zerstörung des Tempels durch Nebukadnezar II. im Jahr 587 v. Chr. vernichtet. Die Teile des Schatzes aus dem Jerusalemer Tempel gelten jedenfalls seither als verschollen. Der damals lebende Prophet Jeremia (627 bis 585 v. Chr.) gibt die Schätze an, die damals nach Babylon gebracht wurden: die Bundeslade ist nicht darunter. Nach der Bibel war die Bundeslade ein Kasten aus Akazienholz "zweieinhalb Ellen lang, eineinhalb Ellen breit und eineinhalb Ellen hoch" (Ex. 25,10-22), also 73,35 mal 122,25 cm groß (hebräische Elle 0,489 m), verziert mit vergoldeten Keruben, die bereits um 1230 v. Chr. angefertigt wurde. Sie wurde bei festlichen Anlässen herumgetragen und in ihrem Innern befanden sich Schaubrote, der Aaronstab und die beiden Gesetzestafeln von Moses.

Die Bundeslade.

Der Heilige Gral spiegelt sich wieder in verschiedenen wertvollen Gefäßen, so auch in einer 76 cm großen Achatschale aus dem 4. Jahrhundert (vielleicht aus Konstantinopel), aus dem Besitz der Habsburger, ausgestellt in der Schatzkammer der Wiener Hofburg. Die Gralslegende kam wahrscheinlich im 12. Jahrhundert in vielen mittelalterlichen Erzählungen auf, besonders um die Legende König Artus. Der Name geht wahrscheinlich etymologisch auf das griechische Wort "krater" für "Mischgefäß" und dem lateinischen Wort "cratalis/gradalis" ebenfalls für "Gefäß" zurück. Auch vielleicht vom Okzitanischen (eine galloromanische Sprache, die im südlichen Teil Frankreichs aber auch in Italien und Spanien gesprochen wurde) "grazaal" und dem Altfranzösischen "graal" für ein Gefäß oder eine Schüssel. Im Altspanischen gibt es das Wort" grial" und im Altportugiesischen das Wort "gral" für einen Mörser oder ein mörserförmiges Trinkgefäß. Von der Symbolik her, geht der Heilige Gral aber auf den Mond- und Sonnenkult der vedischen Inder (Weda, Sanskrit, 1250 v. Chr.) zurück. "Sowohl im Ritus wie im Mythos der vedischen Zeit tritt es deutlich zutage, dass die beiden großen, runden Leuchtkörper des Himmels, Sonne und Mond, als himmlische Gefäße gedacht wurden, deren Inhalt von den Göttern oder den seligen Abgeschiedenen, resp. von beiden, genossen, geschlürft, getrunken wird. Götter und Dämonen kämpfen um den Besitz dieser wunderbaren Gefäße und die Menschen freuen sich, wenn der göttliche Held in solchem Kampfe den Dämon besiegt, denn der Gott lässt - zum Unterschiede von dem neidischen Dämon - auch die Menschen, wenigstens indirekt, teilhaben an dem reichen Segen, der als Himmelslicht und Regen von oben herabströmt" (L. v. Schroeder, S. 7; siehe unten). Diese Vorstellung von Wunderschüsseln (Wunderkesseln) und magischen Gefäßen haben später viele Völker übernommen und sie ist auch in die christliche Religion eingeflossen. Es kann nur der übermenschliche Kräfte erlangen, der das Blut eines göttlichen Wesens trinkt. Brot und Wein werden in der Liturgie zum Leib und Blut Christ. "So oft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt" (1. Kor. 11,26).

Die Achatschale in der Schatzkammer der Wiener Hofburg.

Siehe: Der Da Vinci Code in Wien

Die Autoren Henry Lincoln, Michael Baigent und Richard Leigh spekulieren in ihrem 1982 in New York erschienenen Buch "Holy Blood, Holy Grail" (Deutsche Ausgabe: "Der heilige Gral und seine Erben", 1987); mit dem "Blut Christi", dass Maria Magdalena nach dem Tod Jesu durch eine Schwangerschaft nach Gallien gebracht haben soll. Darauf weise das französische "San Greal" hin, was verschlüsselt eigentlich "Sang Real", also "Königliches Blut" heißen soll. Demnach ist der Gral als ein Kind von Jesus anzusehen, weil es in sich das Blut Christi trägt. Die Autoren stützen sich dabei auf das apokryphe Philippusevangelium wo erwähnt wird, dass Maria Magdalena Jesus auf den Mund geküsst habe. Es wird auch versucht eine verwandtschaftliche Verbindung der Merowinger mit dem Haus David herzustellen. Die beiden Autoren stützen sich aber auch auf die gefälschten Papiere von Pierre Plantard.

Von Baigent, Leigh und Lincoln hat schließlich Dan Brown die Spekulationen um Jesus und Maria in seinem 2003 in New York erschienen Roman "The Da Vinci Code" übernommen und entsprechend geschickt dargestellt. Baigent und Leigh haben ihn deswegen des Plagiats bezichtigt. Der Roman wurde 2006 in Deutschland unter dem Titel "Sakrileg - The Da Vinci Code" veröffentlicht und er ist 2006 auch unter dem Titel "The Da Vinci Code - Sakrileg" als Film erschienen. Religiöse Gruppierungen haben zum Boykott des Films und des Romans aufgerufen und Kritiker aus der Wissenschaft bezeichneten die geschilderten Ereignisse als haltlose Spekulationen. Dan Brown selbst beschreibt seinen Roman als eine Verknüpfung von historischen Fakten mit Fiktion.

Wenn man sich objektiv die Frage stellt, ob Maria Magdalena mit Jesus intimen Kontakt hatte aus dem ein Kind hervorging, dann ist das aus den vorliegenden Überlieferungen äußerst unwahrscheinlich. Jesus hatte allgemein eine innige Beziehung zu seinen Gefolgsleuten, die er als seine Brüder und Schwestern angesehen hat. Dabei ist auch so mancher Bruderkuss oder Schwesterkuss vorgekommen, der nichts mit einer geschlechtlichen Beziehung zu tun hatte. Erst später wurde dieses Verhalten missbraucht und missverstanden. Es ist aber müßig darüber zu diskutieren, wenn Jesus in Wirklichkeit keine historische Gestalt war und dafür gibt es gute Gründe. Er trat nicht einmal zwei Jahre lang in Erscheinung, was wohl zu wenig ist um eine große Popularität zu erreichen. Es existiert kein zeitgenössisches Dokument oder Relikt von ihm oder über ihn. Erst Jahrzehnte nach seinem Tod wurde seine Geschichte niedergeschrieben. Zuvor kann manches zwar auch mündlich weitergegeben worden sein, doch das Leben Jesu ist von mystischen Zahlen geprägt was alleine schon gegen eine historische Präsenz spricht.

Schon andere Filme wie Martin Scorseses "Die letzte Versuchung Christi" von 1988, der auf dem gleichnamigen Roman von Nikos Kazantzakis von 1951 zurückgeht, spekulierten mit einer geschlechtlichen Beziehung zwischen Jesus und Maria Magdalena. Es gab laut der Bibel außer der Mutter Maria mehrere Marias in Jesu Begleitung die noch heute an unterschiedlichen Feiertagen verehrt werden: die Sünderin Maria, die Jesus die Füße wäscht (ist nicht mit Maria Magdalena identisch), am 21. März; die Maria von Bethanien am 4. Juni: und Maria von Magdala (Maria Magdalena) am 22. Juni. Der Name "Maria" leitet sich vom aramäischen bzw. hebräischen "Mirjam" ab, dem Namen der Prophetin und Schwester des Moses im Alten Testament. "Maria" ist eine griechisch-lateinische Abwandlung davon. Vom "Stern des Meeres" (lat. mare, griech. rias) zur "Schönen" (aramäisch) über "Die Widerspenstige" (hebräisch), die "von Gott Erhöhte" (hebräisch, aramäisch) bis zu "Die Geliebte" (ägyptisch) hatte der Name verschiedene Bedeutung. Eine "Blutlinie Christi" ist historisch nicht nachweisbar. Am Grabtuch von Turin wurde jedenfalls die Blutgruppe A/B festgestellt. Der Name Rosslyn für die Kapelle in Edinburgh leitet sich nicht ab von einer "Rosenlinie" (rose line), sondern von zwei alten schottischen Wörtern für Berg, Ross und Fluss, Lyn.

Die Vorstellung Jesus Christus als Gottes Sohn geht nicht auf das 1. Konzil von Nicäa zurück. Dort wurde das lediglich "amtlich" festgelegt. "Die Thesen Browns, dass Maria Magdalena die Gefährtin Jesu gewesen sei und ihm Kinder geboren habe, beruhen auf Spekulationen der Gnosis, einer pseudoreligiösen Strömung, die ab dem 2. Jahrhundert in Erscheinung trat. In mehreren gnostischen Evangelien (so dem 'Maria-Magdalena-Evangelium', dem 'Philippus-Evangelium' und dem 'Thomas-Evangelium') werden diese Spekulationen angedeutet oder ausgesprochen", meint der Theologe Joseph Spindelböck in einer Rezension. Brown spekuliert mit Symbolen wie dem Hakenkreuz, das dem indischen Swastika entspricht und auch mit dem Davidstern. In letzterem sieht er jedoch das Weibliche und das Männliche, vereint in Form von zwei Dreiecken, worauf der "Winkel" in Sauniéres Vers hinweisen soll. Tatsächlich entstand der Davidstern (Hexagramm) aus der Vorstellung heraus, dass der Mensch das Leben von Gott erhalten hat (nach unten weisendes Dreieck) und er wieder zu Gott zurückkehren wird (nach oben weisendes Dreieck). Mit dem "Winkel" könnte eher das Freimaurersymbol gemeint sein. Was Leonardo da Vinci vielleicht damit ausdrücken wollte bleibt dahingestellt. Sein "Abendmahl" ist gespickt mit geometrischen Formen.

Die im "Da Vinci Code" geschilderten Ereignisse um Jesus Christus sind mehrheitlich Vermutungen und Spekulationen und keine historischen Fakten. Dennoch könnten gewisse Wahrheiten dahinter stecken. Die Figur Jesus Christus hat auch eine außerirdische Komponente. Es gibt aber auch religiöse Wahrheiten, die sich materiellen belegbaren Beweisen entziehen. Die Theologie ist eine Seite, die Archäologie eine andere Seite der Wissenschaft. Verschiedene Verfahren zur Messung und Prüfung könnten die Ereignisse um Jesus historisch belegen, wenn entsprechende Funde gemacht werden. Bisher sind solche Funde jedoch ausgeblieben. Dem Roman und dem Film kann man zugute halten, dass Dinge ausgesprochen werden über die man sich Gedanken machen kann und auch soll ohne sich dogmatisch festzulegen.

Quellen:

Brown, Dan: Sakrileg - The Da Vinci Code, Bergisch Gladbach 2006.

Hain, Walter: Irrwege der Geschichte, Wien 1981.

Hain, Walter: Sein Reich war nicht von dieser Welt, Berlin 1997.

Lincoln, Henry; Baigent, Michael; Leigh, Richard: Der heilige Gral und seine Erben, Bergisch Gladbach 1987.

Schroeder, Leopold von: Die Wurzeln der Sage vom heiligen Gral,

                  Sitzungsberichte der Kais. Akademie der Wissenschaften, Wien 1911.

Wassermann, Jack: Leonardo da Vinci, Köln 1977.

"The Da Vinci Code - Sakrileg" - Das Special zum Film, PRO 7, 21.5.2006.

Sakrileg oder Legende?, PRO 7, 21.5.2006.

 

Im Internet:

http://www.stjosef.at/artikel/sakrileg_dan_brown_rezension.htm

http://www.sakrileg-betrug.de/schick/

http://de.wikipedia.org/wiki/Sakrileg_%28Roman%29

http://de.wikipedia.org/wiki/Leben-Jesu-Forschung

http://www.rosslynchapel.org.uk/

http://www.khm.at/system2.html?/static/page2173.html

 

 

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