Die "Metallbibliothek" von Ecuador

 

Die wahre Geschichte über die Höhle der Tayos

Ein Report

von Walter Hain

 

Oktober 2007

   In Ecuador, in der Provinz Morona-Santiago, soll es - nach zahlreichen Berichten von Forschern, Abenteurern und Sachbuchautoren in den vergangenen Jahrzehnten - eine Höhle geben, in der Kunstwerke und Gebrauchsgegenstände und eine Bibliothek aus seltsamen Metallplatten von einer uralten Kultur existieren sollen. Jener, der diese Höhle und die Gegenstände entdeckt haben will, ist der Abenteurer und Forscher Juan Moricz. Im Jahr 1969 will er mit einigen Freunden unter der Führung eines Indianerhäuptlings in die Höhle eingedrungen sein. Die Teilnehmer dieser Expedition erklärten sich  - auf Anweisung von Juan Moricz - darauf schriftlich einverstanden, keine Auskünfte über diese Höhlenbegehung und auch nicht den Ort derselben an die Medien oder an die Öffentlichkeit weiter zu geben.

   Dennoch kam die Geschichte ans Tageslicht und 1971 Erich von Däniken zu Ohren.  Er kontaktierte Juan Moricz und dieser erzählte ihm diverse Einzelheiten, die er aber nicht vollständig veröffentlichen dürfe. In seinem Buch „Aussaat und Kosmos“ von 1972 schilderte  Erich von Däniken dann doch vielleicht etwas zu viel, denn Moricz war verärgert, als er das Buch las. Jedenfalls wurde dadurch die Geschichte der breiten Öffentlichkeit bekannt. „Mir ist, nach langen kritischen Betrachten, schleierhaft, welches Material eine Konsistenz hat, die das Aufrechtstehen so dünner und großer Folien ermöglicht. Sie stehen nebeneinander wie gebundene Blätter von Riesenfolianten. Jede Tafel ist beschriftet, trägt Stempel, ist gleichmäßig von einer Maschine bedruckt“, berichtet Däniken enthusiastisch nachdem er die Bibliothek in der Höhle gesehen haben will. Es soll genau eine „Bibliothek aus Metallplatten, teils Platten, teils millimeterdünne Metallfolien, die meisten in der Größe von 96 x 48 cm“ sein. Im März 1972 soll das gewesen sein.

   Gemeinsam mit Juan Moricz schreitet Däniken durch die Höhle – so jedenfalls seine Schilderung: „Helmscheinwerfer und Taschenlampen blitzten, vor uns reißt das Einstiegloch  seinen Schlund auf. An einem Seilzug, der 80 m in die Tiefe führt, gleiten wir auf die erste Plattform herab; von dort aus geht es noch zweimal 80 m tief nach unten. Der Marsch in die Jahrtausende alte künstliche Unterwelt einer fremden, unbekannten Rasse beginnt.“ Dort will Däniken sogar einen „zoologischen Garten der Verrücktheiten… aus reinem Gold“ gesehen haben. Ein „aus einem Stein gemeißeltes Skelett“ mit „zehn Rippenpaaren“, auf einer Steinplatte die Darstellung eines Dinosauriers, ein kleiner Clown aus Ton und einen seltsamen Kuppelbau aus Stein.

   In seinem Buch „Aussaat und Kosmos“ gibt Erich von Däniken annähernd die Lage der Höhle an. In der Nähe der Stadt Gualaquiza (Gualiquiza) soll sich der „Haupteingang“ befinden, knapp an der Grenze von Ecuador, wo sich das Gebiet hinüber nach Peru erstreckt. Ein Seiteneingang soll sich in der Nähe der Stadt Cuenca befinden.

   Im Jahr 1976 organisierte der schottische Hobbyarchäologe Stanley Hall eine umfangreiche Expedition zu den Höhlen. An der Expedition beteiligt waren acht britische Höhlenforscher, mehrere andere Experten, britisches und ecuadorianisches Militärpersonal, ein Filmteam und der ehemalige Mondastronaut Neil Armstrong wegen seiner schottischen Vorfahren. Sie konnten jedoch an den Höhlen nichts Künstliches erkennen und auch keine künstlichen Gegenstände finden. Neil Armstrong stieg schließlich nicht in die Höhle hinab, weil er am Eingang ausgerutscht war und dann keine Lust mehr zum Betreten derselben hatte. In einem Brief an Erich von Däniken, datiert mit 24. Februar 1977 schrieb er: „Es ist mir zugetragen worden, dass verschiedene Artikel in Deutschland und Argentinien verbreitet worden sind, die über die Expedition im Zusammenhang mit ihrer Theorie sprechen. Bilder sind veröffentlicht worden die mich an Ort und Stelle zeigen. Ich bin von niemandem irgendeines Publikationsorgans befragt worden. Man hatte mich in Ecuador gefragt, ob ich in den Höhlen irgendetwas von einer höher entwickelten Gesellschaft gefunden habe und ich antwortete nein.“ („Im Kreuzverhör“, S.117, fehlt der letzte Satz).

   Auch Landeskundige wie der Ing. Augustin Paladines von der Nationalen Direktion für Geologie und Bergbau erklärten schon damals eindeutig, dass die Höhlen mit Sicherheit auf natürliche Weise entstanden seien.

   Nach einem Bericht von Ronald Story im amerikanischen „Sceptical Inquirer“ vom Herbst/Winter 1977 über diese Höhle, setzte ich mich mit dem Archäologen Pino Turolla aus Florida in Verbindung. Dieser ist, nach dem Bericht, bereits im Sommer 1968 der Sache auf den Grund gegangen und hat im September 1969 auch die Höhle betreten. Sein Informant war der ehemalige Major der ecuadorianischen Armee Petronio Jaramillo-Abarca. In einem Tonband-Interview erzählte der Major dem Archäologen die ganze Geschichte von der „Cueva de los tayos“, wie die Höhle dort heißt.

   Es  begann schon 1941 als Jaramillo gerade zwölf Jahre alt war und ihm ein etwa gleichaltriger Indianerjunge namens Mashutaka von einer riesigen Höhle im Osten Ecuadors erzählte, in denen Vögel mit großen Augen hausen, die die dortigen Einwohner „tayos“ nennen. Daher der Name „Cueva de los tayos“, die „Höhle der Tayos“. Jahre später, 1956 stieß Jaramillo, während einer Dschungel-Patrouille, wieder zufällig auf Mashutaka und dieser war nun bereit Jaramillo in die Höhle zu führen. Als sie in die Höhle eingestiegen waren, standen sie teilweise in Wasserpfützen und Jaramillo sah sich plötzlich in einer riesigen „Basilika“, einem großen Gewölbe. Im Zentrum stand ein riesiger geschwungener Stuhl für gut sieben bis zwölf Personen. In einem Raum, der in Regenbogenfarben glänzte, lagen auf dem Fußboden verstreut Gegenstände aus gelbem Metall – andere waren gelbgrün. „Ich blickte sie näher an und sah, dass alle mit einer fremden Schrift versehen waren, manche wie moderne Kurzschrift“, so Jaramillo.

   In einem anderen Raum sahen die beiden mehrere steinerne Tiere, wie Elephanten, Mastodons, Reptilien, Schlangen, Coyoten, Jaguare, Pferde und Vögel; sie waren ungefähr 30 cm groß. Eine braune Katze stand auf einem dreieckigen Sockel und hatte brillantene rote Augen. Im Zentrum des Raumes lag ein großer Kristallsarg von etwa 2,5 cm Stärke. Drinnen lag ein Skelett mit Gold bekleidet; es war ziemlich lang: 2,8 m. In einem dritten Raum sahen sie etwa acht Figuren – halb Mensch halb Tier. Sie hatten Flügel statt Arme und Elephanten-, Schweine- oder Hühnerbeine. In einer Ecke stand ein Kessel auf einem Ständer – beide aus  gelbem Metall. Dahinter stand eine Figur von einem Mann mit einem Monsterkopf und goldenen Zähnen.

   Ein weiterer Raum, etwa 20 mal 20 m im Quadrat, war gefüllt mit Regalen aus gelbem Metall und auf diesen standen Bücher aus demselben Metall mit tiefen roten Rücken. Die Bücher maßen ungefähr 60 cm im Quadrat und waren etwa 30 cm dick. Die Seiten waren aus sehr sehr dünnem grünlich-gelbem Metall und darauf waren Inschriften wie auf den Figuren in dem anderen Raum eingraviert oder eingepresst. Einige Seiten zeigten gerade oder gebrochene Linien, geometrische Figuren, Dreiecke, Trapezoide, Kreise und Halbkreise und Tangenten; mit anderen Worten, es waren geometrische Bücher. Im Gesamten waren es etwa 200 Bücher, die einzeln etwa 50 kg wogen, so die Geschichte von Jaramillo.

   Pino Turolla wollte es jedoch genau wissen und sich selbst von dieser Schilderung überzeugen. Er versuchte den fraglichen Höhleneingang genau ausfindig zu machen und so stieß er auf einen Artikel in der Zeitschrift „El Comercio“ aus Quito vom 28. September 1969, wo es hieß, dass Juan Moricz eine Höhle in der Region Oriente entdeckt habe, welche die Indianer „Cueva de los tayos“ nennen und wo sich in verschiedenen von Menschenhand errichteten Stockwerken Gänge und Tunneln befanden, die mit Inschriften versehen waren. Pino Turolla fand daraufhin bald heraus, dass sich die fragliche Höhle in der Nähe der peruanischen Grenze, beim Rio Santiago, nahe der Militärstation Teniente Ortiz befindet.

   Von Cuenca aus war dieser Militärstützpunkt über Land und Flüsse nicht unter zehn Tagen zu erreichen und so charterte Turolla mit einem Begleiter eine Cessna-Maschine nach Teniente Ortiz. Dort erhielten sie vom Leiter des Stützpunkts zwei indianische Führer, die die beiden in einem Kanu flussabwärts zu den Höhlen brachten. Während die beiden Indianer am Flussufer warteten, gingen Turolla und sein Begleiter einen unwegsamen Pfad nach und sie kamen – nach einer Nächtigung auf dem Weg – zu einer Lichtung, wo bereits drei zivile Polizisten auf sie warteten. Nachdem Turolla den Polizisten seine Genehmigung zur Besichtigung der Höhle zeigte, willigte der höherrangige Polizist ein, die beiden zum Höhleneingang zu führen – er nahm ihnen aber die Kameras ab.

   Auf dem Weg erzählte ihnen der Polizeibeamte, dass es in der Umgebung keine steinernen Wände mit mysteriösen Inschriften und auch keine Ruinen gebe, und dass Moricz mit seiner Erzählung etwas übertrieben habe, denn es gibt nur einen Eingang. Dieser sah schließlich nicht überwältigend aus, wie sich Turolla überzeugen konnte. Die Öffnung war etwas aus dem Felsen geschnitten, sie sah wie ein eigenartig geformter Brunnen aus und sie war von Büschen und Bäumen umgeben. Ein tiefes Loch oder ein Schacht ragte in die Erde. Turolla leuchtete in die Öffnung, doch man konnte nicht in die Tiefe sehen, nur die Steine an den Wänden waren zu sehen. Von den Offizieren, die den Eingang bewachten, wurde eine provisorische Plattform errichtet, an deren Kante Seile in die Tiefe hinunter hingen.

   Erst am nächsten Morgen stieg Turolla mit seinem Begleiter in die Höhle ein. Sie ließen sich an den Seilen etwa 60 m tief hinab und landeten schließlich am Boden des Schachtes, der etwa 15 bis 18 m breit war. Turolla sah sich nach Inschriften um, doch es war nichts zu sehen. Er sah auch keine künstlichen Gegenstände. Nichts was auf Menschenwerk hindeuten könnte war zu sehen. Keine Bibliothek, kein „zoologischer Garten“, rein gar nichts, was den Schilderungen von Juan Moricz und Jaramillo entsprach. Auch die angegebenen Maße stimmen nicht. Die Höhle erstreckt sich bestenfalls einige hundert Meter in die Länge. Die komplette Höhle war rein natürlichen Ursprungs und man hörte Wasser plätschern und ein fürchterliches Gekreische von hunderten Vögeln. Der Archäologe war naturgemäß enttäuscht, doch er wollte dennoch wissen, wie es zu den phantastischen Erzählungen über eine „Metallbibliothek“ in einer Höhle von Ecuador kommen konnte.

   Schon zuvor, nach dem Tonband-Interview mit Jaramillo im Februar 1969, besuchte Turolla den bekannten Kuriositätenladen des Jesuitenpaters Carlo Crespi in Cuenca. Dort sah er die inzwischen durch Erich von Däniken bekannt gewordenen und auch von Jaramillo beschriebenen Gegenstände aus Ton, Stein und Metall und auch den von Däniken beschriebenen „frühesten Kuppelbau“. In einem von Crespi als „Schatzkammer“ bezeichneten Raum sah er die „Metallbibliothek“. An den holzgetäfelten Wänden hingen tausende Metallgegenstände, und in Schränken und Schachteln jeweils etwa 4 bis 6 goldfarbene Metallblätter, an denen Reliefs von verschiedenen Tieren, Pflanzen, Pyramiden, Sterne, und Gottheiten zu sehen waren. Eine gelbe Metallplatte, 51 cm hoch und 13 cm breit, mit 56 Bildzeichen darauf, die der Pater für eine altägyptische Schrift hielt.

Bild: Pino Turolla im Kuriositätenladen von Pater Crespi im Jahr 1969. Im Vordergrund der von Däniken 1972 fotografierte Kuppelbau (Foto: P. Turolla).

   Nach dem Höhleneinstieg und dem Besuch bei Pater Crespi kam Turolla zu dem Schluss: „Viele der Objekte, die Jaramillo beschrieb, standen vor meinen Augen auf Crespis Regalen. Selbstverständlich war Jaramillo hier und sah diese Sammlung. Er verbrachte mehrere Jahre in diesem Gebiet.“ Crespis Sammlung wuchs stetig an und manche von den einheimischen Künstlern hatten sich in der Herstellung dieser Gegenstände aus moderner Bronze, Messing, Kupfer und Zinn ausgezeichnet entwickelt und dem gutgläubigen Jesuitenpater angedreht. Der Pater zeigte Turolla sogar einen Schwimmer einer Toilettenspülung mit der Inschrift „république francaise“, den er für einen uralten Gegenstand hielt.

   Zwei Forscher aus Kanada, Wolfgang G. Jilek und  Louise M. Jilek-Aal, besuchten 1971 den Laden von Pater Crespi. Er überließ ihnen einen angeblich vergoldeten Gegenstand als Souvenir. Nach einer Analyse mussten die beiden Forscher feststellen, dass er nur aus Messing bestand. Auch die beiden Kanadier waren der Ansicht, dass der Pater mit fortgeschrittener Zeit ein Opfer seiner bekannten Theorie eines ägyptischen Ursprungs der präkolumbianischen Kunst geworden war.

   Peter Kaufhold ging im Jahr 1982, auf einer seiner Reisen nach Südamerika, den Spuren der Geschichten um diese Höhle in Ecuador nach; er wollte vor allem wissen, ob Erich von Däniken mit seinen phantastischen Behauptungen recht hat. Er betrat in Cuenca den Laden von Pater Crespi und fand dort ebenfalls die von Däniken publizierten Gegenstände. Die Metallplatten waren so dünn, dass er sie mit zwei Fingern hochhalten konnte, was auch Däniken in seinem Buch „Aussaat und Kosmos“ bemerkte als er von „millimeterdünnen Metallfolien“ schrieb. Kaufhold traf auch den Jesuiten-Pater und Archäologen Professor Porras im Institut der Katholischen Universität in Quito, der die Höhle mehrere Jahrzehnte lang erforscht hat. Er zeigte Kaufhold einige Dias von einer Expedition im Jahr 1976 in die  fragliche Höhle. Den schachtartigen Eingang, eine riesige Halle wo einige Leute zu sehen waren, vor einem torartigen Durchgang lagen tonnenschwere Steinquader herum, dann eine Halle, die einem Amphitheater glich, doch nirgends glasierte Wände. Die Höhle soll angeblich bereits 1500 v. Chr. von Menschen als Kultstätte benutzt worden sein. Noch vor kurzem stiegen die Indios regelmäßig zu diesem Zweck in die Höhle. Die Bilder zeigten auch einen Altar aus Stein. Prof. Porras hat dort einige sehr alte Tonscherben gefunden, die aus vorchristlicher Zeit stammen sollen. Eine „Metallbibliothek“ oder irgendwelche wertvollen Figuren hat Prof. Porras nicht gefunden. Letztlich konnte Kaufhold, aus terminlichen Gründen, die Höhle nicht aufsuchen und auch nicht betreten.

   Der Wiener Buchautor und Grafiker Reinhard Habeck und der Kulturmanager Klaus Dona versuchten im Februar 2000 einige Gegenstände aus der Crespi-Sammlung und vor allem die „Metalltafeln“ ausfindig zu machen, um sie in einer Ausstellung präsentieren zu können. Nach dem Tod von Pater Crespi im Jahr 1982 erwarb die Zentralbank von Ecuador in Quito einige Gegenstände, die sie für wertvoll hielt. Die Metallplatten waren nicht darunter. Diese landeten in einem Depot des dortigen Salesianer-Ordens, das für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Der Chefrestaurator des Museums der Bank, José Maldonado, verschaffte den beiden jedoch den Zugang und sie konnten anschließend im Hof des Salesianerklosters einige der noch vorhandenen Platten abmessen, fotografieren und filmen – und einige sogar für die im Jahr 2001 in Wien erstmals präsentierte Ausstellung „Unsolved Mysteries“ mitnehmen. „Bei einigen konnte man selbst als Laie erkennen, dass es sich offensichtlich um Fälschungen handelt“, schreiben die beiden später in ihrem Buch „Im Labyrinth des Unerklärlichen“. Jene Stücke, die echt aussahen, wurden auf der Ausstellung präsentiert. Wissenschaftliche Untersuchungen davon liegen aber nicht vor.

   Im Jahr 2005 unternahm Stanley Hall neue Anstrengungen zu einer Expedition in die Höhle.  Er will inzwischen, nach der Beschreibung von Jaramillo, die tatsächliche Lage des Haupteingangs ausgemacht haben, die nicht in der Provinz Morona-Santiago, wie Moricz angibt, liegen soll. In seinem Buch „Tayos Gold: The Archives of Atlantis“ schreibt er, dass der Eingang etwa 150 km nordöstlich der Coangos Höhle, am Nordufer des Rio Pastaza, innerhalb der Provinz Pastaza, östlich des Mount Sangay liegt – genau unter den Koordinaten 77º 47' 34" West and 1º 56' 00" Süd  Am 17. Januar 2005 informierte Hall in einem Schreiben die ecuadorianische Botschaft in London über die genaue Lage um eventuell eine offizielle Expedition in Gang zu setzen, und weil er sich im Alter von 68 Jahren nicht mehr so sicher war selbst in die Höhle einsteigen zu können. Er überlässt es jetzt offensichtlich anderen.

   Erich von Däniken erregte im Herbst 2007 in dieser Beziehung wieder einiges Aufsehen mit seinem Buch „Falsch informiert“. Der Werbetext dazu versprach die Bekanntgabe der genauen Lage des „Haupteingangs“ der Höhle. Diese ist jedoch schon seit gut zwanzig Jahren öffentlich bekannt.

   Erich von Däniken hat bereits in „Aussaat und Kosmos“ annähernd die richtige Lage der Tayos-Höhle anhand einer Zeichnung veröffentlicht. Sie liegt zwischen Gral. Plaza und Yaupi südlich von Yuquianza, unterhalb der Gabelung der beiden Flüsse Rio Zamora und Rio Santiago. Peter Kaufhold gibt in seinem Buch „Von den Göttern verlassen“ die Lage noch genauer an; nahe dem Rio Coangos. Der Archäologe Pino Turolla war 1969 ebenfalls an diesem Ort, was durch seine Reiseschilderung hervorgeht. Demnach liegt der richtige Höhleneingang auf 78°12'08.11"W 3°02'58.38"S was mit Google Earth angeflogen werden kann. Halls Höhle auf 77°47'34"W 1°56'00"S  liegt etwa 130 km nördlich. Das ist nicht die Tayos-Höhle! Dort hat Neil Armstrong eine Höhle betreten, jedoch niemals die Tayos-Höhle. Bei Google Earth ist diese Höhle bereits mit „Neil Armstrong 61: Inner space“ markiert.

   Die ganze Höhlengeschichte ist, wie es aussieht, ein Konstrukt aus Tatsachen und Erfindungen einiger phantasievoller Abenteurer, Forscher und Autoren – ausgelöst wahrscheinlich von jugendlichen Schwärmereien. Die geschilderte „Metallbibliothek“, im Sinne einer Hinterlassenschaft einer prähistorischen Kultur, gibt es ganz offensichtlich nicht.

Textauszug aus meinem Buch IRRWEGE DER GESCHICHTE ergänzt und aktualisiert.

Zum Anhang ein Zitat aus einem Brief vom Anwalt von Juan Moricz, Pena Matheus, an mich, datiert vom 25. April 1979, veröffentlicht 1981 in meinem Buch „Irrwege der Geschichte“, S. 264, 265 : "Mr. Moricz has also denounced the discovery in the interior of the tunnel system of a 'Metallic Library' and of various arqueological objects etc., the existence of which has not as yet been proved of photographed by anyone else". Die Gegenstände in dem angeblichen Tunnelssystem, sowie auch die "Metallbibliothek", sind bis zu diesem Datum von niemandem fotografiert worden.

Quellen:

Däniken, Erich v.: Falsch informiert, Rottenburg 2007.

Däniken, Erich v.: Im Kreuzverhör, Düsseldorf-Wien 1978.

Däniken, Erichv.: Meine Welt in Bildern, Düsseldorf-Wien 1973.

Däniken, Erich v.: Aussaat und Kosmos, Düsseldorf-Wien 1977.

Dona, Klaus; Habeck, Reinhard: Im Labyrinth des Unerklärlichen, Rottenburg 2004.

Hain, Walter: Irrwege der Geschichte, Wien 1981.

Hain, Walter, Hrsg.: Zeitschrift Contra, Wien 1982.

Hall, Stanley: Tayos Gold: The Archives of Atlantis, Book Surge, 2005;

        Adventures Unlimited Press, 2006.

Jilek; G.W. u. Jilek, M.L.: in Sceptical Inquirer, Spring/Summer 1978.

Kaufhold, Peter: Auf den Spuren des Erich von Däniken, London 1982.

Kaufhold, Peter: Von den Göttern verlassen?, München 1984.

Story, Ronald: in Sceptical Inquirer, Fall/Winter 1977.

Turolla, Pino: Beyond the Andes, New York  1980.

 

Im Internet:

http://www.philipcoppens.com/metal_libr.html

http://www.goldlibrary.com/tayosgold.htm

http://en.wikipedia.org/wiki/Cueva_de_los_Tayos

 

Die Tayos-Höhle über Google Earth:

78°12'08.11"W 3°02'58.38"S

 

Halls Höhle über Google Earth:

77°47'34"W 1°56'00"S

 

Der Weg zur Tayos-Höhle  >>

 

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