Die rätselhaften Gleisspuren auf Malta

Vogelfangplätze

Ein Report

von Walter Hain

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16. November 2006
 

   Die "Gleisspuren" auf Malta (t-schoen-maltafan.de).

 

 

 

In der populärwissenschaftlichen Literatur wird immer wieder von den rätselhaften Gleisspuren, auch Schleifspuren oder Karrenspuren auf der Mittelmeerinsel Malta und der benachbarten Insel Gozo berichtet. Über den Ursprung und Zweck dieser Gebilde im Kalksteinboden der Inseln gibt es die unglaublichsten Theorien - bis hin zu einem Werk von außerirdischen Intelligenzen. Mit Hilfe von Google Earth kann man auch diese seltsamen Bodenstrukturen, aufgrund von Satellitenaufnahmen, genauestens lokalisieren und vielleicht dem Rätsel auf die Spur kommen.

 

Die Insel Malta wurde wahrscheinlich schon vor 8000 Jahren von Sizilien aus besiedelt. Bis 11.000 v. Chr. war sie noch mit der süditalienischen Insel verbunden. Aus der Zeit um 5200 bis 4600 v. Chr. gibt es die ersten Spuren von menschlicher Besiedelung durch Höhlenfunde. Ab 4600 v. Chr. sind erste Behausungen wie Hütten zu finden und ab etwa 3800 v. Chr. begann die steinzeitliche Phase auf Malta, die bis heute eindrucksvolle Zeugnisse hinterlassen hat, die jährlich tausende Touristen anlocken. Die Megalithtempel Mnjadra und Hagar Qim, sowie das Hypogäum in der Stadt Paola sind die Hauptattraktionen der Insel aus dieser Zeit. Keramikfunde, kunstvolle Reliefs und Malerei, sowie die berühmte "schlafende Dame" zeigen das erstaunliche künstlerische Schaffen der Bewohner dieser Zeit. Ab etwa 2500 v. Chr. endete diese Phase und die Einwohner verließen die Insel.

 

Ab etwa 2000 v. Chr., in der Bronzezeit, begann jedoch eine Neubesiedelung, wahrscheinlich wieder von Sizilien aus, die wieder erstaunliche Werke zutage brachte - unter anderem diese seltsamen Gleisstrukturen. Schon 1647 glaubte der Spanier Gian Francesco Abela, die Gleisspuren seien gedacht, um Steine nach Afrika zu transportieren. Als der englische Archäologe David Trump 1954 diese Gebilde sah, erinnerten sie ihn an den Bahnhof Clapham Junction in London. Seither trägt dieses Gebiet bei Misrah Ghar il-kbir, wo diese Spuren zu finden sind, diesen Namen.

Über den Sinn und Zweck dieser Gebilde wurde schon viel diskutiert und neuerdings werden die so genannten "cart ruts" auf Malta auch in einem von der EU geförderten Projekt zur Bestimmung von kulturellen Zeugnissen in Europa untersucht. Auf den bisherigen Bildern in Büchern und von Touristen sind tatsächlich diese Gebilde als eine Art Geleise oder auch Wagenspuren zu erkennen. Sie laufen mehrheitlich parallel und sie verzweigen sich auch in Weichen - wie eben Schienen auf einem Bahnhof, nur dass sie Furchen sind und keine erhabenen Geleise. Den Berichten zufolge sind die Furchen bis zu 70 cm tief und sie laufen in einem Abstand von etwa 140 cm. Man kann sich wirklich nicht dem Eindruck entziehen, dass da irgendwann einmal Fahrzeuge, Karren gefahren sind.

 

Der "prähistorische Bahnhof" Clapham Junction auf Malta.

Die Satellitenaufnahmen zeigen jedoch ein klares Bild. Nach Messungen mit Google Earth sind die Spuren von Clapham Junction bis zu 180 Meter lang und etwa 1,3 Meter breit. Sie sind bis zu 0,4 Meter tief. Der gesamte Komplex hat eine Ausdehnung von etwa 200 mal 280 Meter und ist etwa einen Kilometer vom Meer entfernt. In der Nähe gibt es noch heute einen Steinbruch.

 

Diverse Versuche und Gedankenmodelle heute irgendwelche Wagen auf Rädern in den Spuren fahren zu lassen scheitern schon aufgrund der Tiefe der Furchen. Die Räder würden in den Kurven stecken bleiben. So hatte ich schon früher - wie auch andere - Karren mit Holzstangen postuliert, die vielleicht von Ochsen gezogen werden. Seit dem Altertum sind sie bekannt als "Stangenschleifen". Auf diesen Stangen könnten Steinblöcke zum Transport angebunden werden. Solche Karren würden, durch das Schleifen der Holzstangen am Boden, parallele Furchen hinterlassen. Mit der Zeit würden die Furchen immer tiefer werden, bis sie den Kalksteinboden aufkratzen. Man wird immer wieder die Stangen erneuern und das geht Jahre, vielleicht auch Jahrzehnte lang so, bis die Tätigkeit beendet ist. Dann wird die Gegend verlassen und die Spuren bleiben von menschlicher Hand unberührt zurück. Dann setzt die Witterung ein.


Über Jahrhunderte hinweg bleibt immer wieder Regenwasser in den Furchen stehen und zersetzt so den Kalkstein. Die Furchen werden dadurch  immer tiefer. Dieser Vorgang ist bekannt unter dem Begriff "Lösungsverwitterung", wodurch so genannte "Karren" (Rinnen) entstehen, die mit "Wagen" (Fahrzeugen) nichts zu tun haben und sehr große Tiefen erreichen können. Die Furchen von den Stangen werden naturgemäß tiefer, als die Spuren von den Hufen der Tiere, weil sich dort Wasser länger halten kann und weil die Furchen schon beim Transport als eine Art "Schienen" gedient haben. Ähnliches sieht man auch auf den Römerstraßen. Zur Bewässerung scheinen die Rinnen nicht gedient zu haben, weil sie parallel verlaufen und eher auf Spuren von Transportmittel hindeuten. Sie führen auch teilweise ins Meer.

 

Merkwürdige rechteckige Strukturen

 

Ein anderes Bild zeigen jedoch zahlreiche seltsame rechteckige Gebilde. Sie liegen verstreut auf der Insel, hauptsächlich in Küstennähe, in verschiedenen Richtungen, manchmal auch strahlenförmig auseinander laufend, wie Teilstücke von Schienen einer Modelleisenbahn oder einer Modellautobahn in einem Kinderzimmer. Sie wirken auch wie Teile von Römerstrassen. Die meisten von ihnen sind auf den Dingli-Klippen, im Südwesten der Insel zu finden. Sie haben Längen von 11 bis 37 Meter und Breiten von 8 bis 15 Meter. Auf den Satellitenaufnahmen finden sich Veränderungen gegenüber den früheren Bildern. Dienen sie irgendeinem landwirtschaftlichen Zweck? Die meisten haben sich über die Jahre nicht verändert. In unmittelbarer Nähe der Gebilde ist meist ein kleines Gebäude zu sehen. Von Touristen werden sie oft ohne weiteren Kommentar fotografiert. Eine Erklärung über den Zweck dieser Gebilde konnte ich lange nicht finden und es wurde mir in den vergangenen Jahren auch diesbezüglich nichts mitgeteilt. Doch inzwischen sind sie geklärt.

 

 

Die rechteckigen Gebilde auf Malta in der Nähe von il-Bahrija 2006.

 

Die rechteckigen Gebilde auf Malta in der Nähe von il-Bahrija 2013.

   

 

Bei Tal-Mehrla 2006.

Bei Tal-Mehrla 2013. Siehe die Differenzen!

 

Bei Ras id-Dawwara 2006.

Bei Ras id-Dawwara 2013.

 

Bei San Pawl Tal-Pitkali 2006.

Bei San Pawl Tal-Pitkali 2013.

 

Bei Hal Far 2006.

Bei Hal Far 2013.

 

 

Bei Benghajasa 2006.

Bei Benghajasa 2013.

 

Vergrößerungen über Google Earth 2013.

 

 

Die Gebilde bei den Dingli-Felsen bei Ta' Dmejrek, unter der Radarstation (Bild: M. Thyes / Wikipedia 2008). Pfeile eingefügt.

 

Vergrößerung von einem der Gebilde (Original: M. Thyes / Wikipedia 2008).

Diese Gebilde haben nichts mit den Karrenspuren von Clapham Junction zu tun (Bild: E. Bucci). Was bedeuten sie? Sind es landwirtschaftliche Nutzflächen?

 

Vogelfangplätze

 

Nach Informationen von Touristen sind diese Gebilde Vogelfangplätze.

Das Fangen von Singvögel ist allerdings nach Beitritt Maltas zur Europäischen Union verboten.

 

Einer der Vogelfangplätze auf Malta (Bild: carto.net).

Ein weiterer Vogelfangplatz mit Wärterhäuschen (Bild: traumurlaub-europa.de).

 

Vogelfangplatz (Bild: Monika Trinkler, 2006).

Netz auf einem Vogelfangplatz (Bild: Monika Trinkler, 2006).

Entfernen eines Netzes durch die Behörde (Bild: gozonews.com)

 

Die Karrenspuren "Cart ruts"

 

 

Die bekannten Karrenspuren "Cart ruts" von Clapham Junction

(Bild: Stanley Borg/Panoramio).

Vermutliche Entstehung der Karrenspuren durch Transportmittel mit so genannten "Stangenschleifen" (Zeichnung: Walter Hain, 1982).

 

 

Gleisartige Spuren wie auf Malta und auf Gozo gibt es auch an anderen Orten auf der Welt, wie in Sardinien, Sizilien, Italien, Spanien, Griechenland, Frankreich und Deutschland. Auch in Österreich sind welche gefunden worden - und sogar mehr als 3000 Kilometer entfernt auf der Halbinsel Apsheron, bei der Stadt Mardakyan, in Aserbaidschan. Nicht alle sind gleichen Ursprungs und nicht alle hatten den gleichen Zweck zu erfüllen. Manche sind mit Steinziegeln errichtete Rinnen, manche sind verwitterte Wagenspuren und manche durch natürliche Erosion entstandene Rillen. Einige davon sind einfach verwitterte Römerstraßen. Die Gleisspuren auf Malta sind aber einzigartig und besonders eindrucksvoll. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie Spuren von einfachen Transportmitteln sind, wie Stangenschleifen aus Holz.

 

 

Einige Koordinaten:

Malta:

35°53'31.10"N   14°20'10.87"E

 

35°52'56.17"N   14°20'24.92"E

 

35°52'22.55"N   14°20'54.88"E

 

35°52'7.73"N   14°21'24.57"E

 

35°51'39.50"N   14°21'54.73"E

 

35°51'21.75"N   14°22'16.90"E

 

Misrah Ghar il-kbir (Clapham Junction), Malta:

35°51'7.05"N   14°23'52.87"E

 

Mnjadra Temples, Malta:

35°49'36.30"N   14°26'11.28"E

 

Hagar Qim, Malta:

35°49'39.58"N   14°26'32.35"E

 

35°48'52.52"N   14°29'8.28"E

 

35°48'34.50"N   14°30'28.92"E

 

35°48'29.86"N   14°31'39.84"E

 

Fort Benghisa:

35°48'32.54"N   14°32'10.84"E

 

Naxxar:

35°55'54.45"N   14°27'19.05"E

 

Bugibba:

35°56'38.98"N   14°26'48.29"E

 

Gozo:

 

36° 1'39.22"N   14°18'45.48"E

 

36° 1'47.44"N   14°19'41.45"E

 

36° 1'57.50"N   14°20'4.35"E

 

36° 2'11.90"N   14°19'50.15"E

 

Aserbaidschan, Mardakyan:

 

40°28'5.18"N   50°12'58.59"E

 

40°23'5.18"N   50°12'58.59"E

Quellen:

 

Bücher:

 

Benesch, Kurt: Rätsel der Vergangenheit, Berlin-Vienna, Germany-

                            Austria 1977.

Hain, Walter: Irrwege der Geschichte, Vienna, Austria 1981.

Däniken, Erich v.: Prophet der Vergangenheit, Düsseldorf,

                            Germany 1979.

   -"-                   : Die Spuren der Außerirdischen,

                            Munich, Germany 1990.

 

Im Internet:

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Schleifspuren_(Malta)

http://de.wikipedia.org/wiki/Clapham_Junction_(Malta)

http://de.wikipedia.org/wiki/Karre_(Rinne)

http://www.komitee.de/en/actions-and-projects/malta/trapping

 

Malta:

Karte von Misrah Ghar il-kbir (Clapham Junction):

http://www.angelfire.com/ar/magrosalibarchaeo/

 

Asserbaijan:

http://www.azer.com/aiweb/categories/magazine/ai103_folder/103_articles/103_cart_ruts.html

 

Sizilien:

http://www.cartrutsmalta.com/syracuse-sicily-cart-ruts-tracks/

 

Sattelitenbilder:

Google Earth / Europa Technologies / Digital Globe

 

Bild: M. Thyes:

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Malta-dingli-coast-181.jpg

 

Bild: E. Bucci:

http://philyblunt911.com/Gallery1/slideshow.php?set_albumName=Malta

 

Bild: Stanley Borg/Panoramio:

http://mw2.google.com/mw-panoramio/photos/medium/46618628.jpg

 

Siehe auch:

http://de.wikipedia.org/wiki/Stangenschleife

 

 

Suche mit Google Earth:

 

 

 

 

 

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